Mehr Selbstbewusstsein bei Kommunen, gemeinsam Stärke zeigen

Namhafte Vertreter der kommunalen Ebene diskutierten im Rahmen der Auftaktveranstaltung „auf dem Weg zur fairen Metropolregion Rhein-Main“ über Chancen und Hindernisse im Blick auf eine Zertifizierung.

Moderiert von Dr. Sabine Gresch, Koordinatorin der Lokalen Agenda 21 bei der Stadt Mainz, gingen die Teilnehmer unter anderem auf die Fragen nach dem Mehrwert einer überregionalen Zusammenarbeit ein.

Starke Worte bei der Podiumsdiskussion

Die Hofheimer Bürgermeisterin Gisela Stang vertrat die Ansicht, dass Kommunen selbstbewusst auftreten sollen, indem sie sich nicht auf Pflichtaufgaben reduzieren lassen. Keine staatliche Organisation sei so nah an den Menschen, das sei zu nutzen für konsequente Weiterentwicklungen und Stärkung der Aktivitäten vor Ort. Einen Mehrwert in der Zusammenarbeit als faire Region sieht Stang darin, dass sämtliche Bezugsgruppen zusammen stünden, Fairtrade sei dabei verbindendes Element. Vor allem seien Netzwerke zu nutzen, um für uns was zu verändern, bekräftigte das Hofheimer Stadtoberhautpt. Ein Gemeinde allein schaffe dies nicht, gemeinsam gelte es Schlagkraft zeigen. Besonders dokumentieren ließe sich das beispielsweise in zeitgemäßen Netzwerken, dort sei es denkbar, in Facebook oder Internet mit einer Stimme aufzutreten. Stang lädt regelmäßig die Steuerungsgruppe ins Hofheimer Rathaus ein und leitet die Sitzungen.

Ralf Claus, Oberbürgermeister der Stadt Ingelheim machte die Synergieeffekte am Beispiel interregionaler Zusammenarbeit im Bereich Einkauf fest.

Konkrete Projekte beschränken sich nicht nur auf lokale Lenkungsgruppen, so Claus. Näher eingehend auf seinen Standpunkt verdeutlichte er, dass die gemeinsame Plattform Möglichkeiten biete, die für einzelne Kommunen zu groß seien. Auf diese zuzugehen und Hilfestellungen anzubieten, wäre eine Aufgabe der fairen Metropolregion.

„Drei Bundesländer stehen zusammen“

mit diesen Schlagworten eröffnete Jürgen Herzing sein Statement. In seiner Eigenschaft als Bürgermeister von Aschaffenburg brachte er sein Wohlwollen über die Planung gemeinsamen Schaffens für eine gute Sache zum Ausdruck. In vielen Köpfen stünden Hürden, die zu überwinden seien, beschreibt der Kommunalpolitiker die allgemeine Skepsis gegenüber differenzierten Denkansätzen. Die interregionale Zusammenarbeit der Kreise und Kommunen sieht Herzing als notwendig an, in vielen Bereichen geschehe das bereits. Beispielsweise bündele die Schiene Gebäude- und Immobilienmanagement den Gedanken der fairen Region. Dicke Bretter seien zu bohren, argumentierte der Bürgermeister, denn die Tatsache, dass das Geld regiere, mache die Aufgabe nicht leichter.

Thomas Will: „Fairtrade als Kommunale Pflichtaufgabe“

Über die Vorzüge der interkommunalen Zusammenarbeit geriet Landrat Thomas Will ins Schwärmen. Er sprach davon, dass in seinem Zuständigkeitsbereich, dem Landkreis Groß-Gerau, bereits 80 definierte Aufgaben am Laufen, zum Teil sogar abgeschlossen seien. Als Beispiele führte er Strom- und Gaseinkauf sowie eine zentrale Vergabestelle auf. Kritisch beleuchtete der Behördenleiter der Kreisverwaltung Verhältnismäßigkeit von Einsatz und Effekt. Auf der einen Seite sehe er engagierte Lenkungsgruppen, dem gegenüber fehle jedoch der Tiefgang in der Bevölkerung. Auch wenn inzwischen sehr viele Menschen in Fairtrade-Städten leben, wisse nicht jeder, was fairer Handel überhaupt sei, daher befinde sich dieser noch in einer Nische. „Wir müssen dort anzusetzen, wo wir was verändern können“, rief Will auf. Das könne in Schulen gut funktionieren, ähnlich wie beim Thema Umweltschutz, verglich der Landrat. Die „Geiz-ist-Geil-Mentalität“ müsste weg und der Slogan ebenfalls, bekräftigte Will, der aufrief, Fairtrade als kommunale Pflichtaufgabe anzusehen.

(Ts)

Artikel veröffentlicht am 25.11.2016

2 Gedanken zu „Mehr Selbstbewusstsein bei Kommunen, gemeinsam Stärke zeigen“

  1. hört sich interessant an, es ist extrem wichtig das die Bürger mit eingebunden werden. Ich würde mir gerne solch eine Diskussion mal anschauen, wird es in diesem Jahr nochmals die Chance dazu geben?
    Grüße Dirk

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