Kelsterbach als Gastgeber einer ganzen Region

 Seit gut einem Jahr darf sich Kelsterbach Fairtrade-Stadt nennen. Die Aktivitäten für den guten Zweck mündeten in überregionales Engagement und Mitwirkung bei der Zertifizierung des Kreises Groß-Gerau. Darüber hinaus nehmen die Bestrebungen zur fairen Vereinigung einer ganzen Region Form und Gestalt an. Die Rhein-Main-Metropole stellte sich und ihre Ziele bei einem Vernetzungstreffen vor. Als zentralen und verkehrsgünstig gelegenen Ort und damit ideale Veranstaltungsstätte, entschieden sich die Organisatoren für die Untermainstadt.

Vertreter aus drei Bundesländern (Rheinland-Pfalz, Bayern und Hessen) arbeiten seit einiger Zeit an einem entsprechenden Projekt, das den Arbeitstitel „Auf dem Weg zur fairen Metropolregion“ trägt. Mit gleichnamiger Veranstaltung trat die Steuerungsgruppe, die einmal im Monat zusammentrifft, an die Öffentlichkeit.
Im Haus Weingarten, dessen großer Saal schon oft Örtlichkeit wichtiger Veranstaltungen war, fanden sich rund 70 geladene Gäste ein. Hochrangige Vertreter von Landkreisen, Städten und Gemeinden, Kirchen sowie sozialen Einrichtungen kamen zusammen, um gemeinsam eine faire Region aus der Taufe zu heben.
Einer großangelegten Einladungs- und Werbeaktion folgend, erfreute sich das Event einer guten Mischung von Vertreten der wichtigen Bezugsgruppen. Ein ambitioniertes Programm stand einem hohen Maß an Interesse aus verschiedenen Blickrichtungen gegenüber, die Themenvielfalt zu bündeln stellte sich anspruchsvoll dar.

Kommunalpolitiker geben Statements ab

Als ideale Besetzung dafür erwies sich Dr. Sabine Gresch (Amt für Stadtentwicklung und Koordinatorin Lokale Agenda 21 der Stadt Mainz). Souverän durch das Programm führend, brachte sie die Themen informativ und komprimiert rüber, dabei ließ sie reichlich Raum für Meinungen und Fragen. Am Anfang der Agenda stand eine Podiumsdiskussion, (gesonderter Bericht in dieser Ausgabe) die sich damit befasste, inwieweit eine Kommune engagiert sein solle und welche Vorteile damit verbunden seien. Namhafte Teilnehmer gingen auf Greschs Fragen detailliert ein und brachten ihre Standpunkte zum Ausdruck. Zum Mikrophon griffen: Thomas Will, Landrat des Kreises Groß-Gerau, Gisela Stang, Bürgermeisterin der Kreisstadt Hofheim, Ralf Claus, Oberbürgermeister der Stadt Ingelheim und Jürgen Herzing, Bürgermeister der Stadt Aschaffenburg. Der Wunsch, eine faire Region zu gestalten, einte die Diskussionsteilnehmer. Der Tenor verfestigte sich darauf, dass ein gemeinsamer Start für ein neues Wir-Gefühl stehen könne. Da das ambitionierte Thema schwer zu vermitteln sei, gelte es eine grenzüberschreitende Vernetzung anzustoßen, die vor allem bei dem Nachwuchs ansetze. In diesem Zusammenhang setzen die Diskussionsteilnehmer auf frühe Sozialkompetenz. Die Sensibilisierung in Schulen und Kindergärten löse einen umgekehrten Effekt aus, dann erziehen möglicherweise die Jugendlichen ihre Eltern.

Moderiertes Gespräch mit aktiven Gästen

Im Anschluss waren die Gäste gefordert: Die Moderatorin, deren intensive Vorbereitung beste Grundlagen für einen nutzbringenden Austausch lieferte, hatte Schautafeln vorbereitet. Diese bildeten thematisch gegliedert Antworten ab, die aus einer Umfrage resultierten, welche parallel mit der Einladung erhoben wurde. Dabei ging es um den Mehrwert einer Zertifizierung, die Möglichkeiten der Mitgestaltung und die konkreten Erwartungen an eine Metropolregion. Ähnlich wie zuvor bei den Politikern, herrschte überwiegend Übereinstimmung in dem Punkt, dass eine gemeinsame Position wirksamer sei als alleine zu agieren. Der Sache förderlich erachtet wurde zudem die Sensibilisierung der Bevölkerung. Gezielte Werbung könne den fairen Handel zum festen Bestandteil des Konsumverhaltens machen. Wichtig sei es vor allem, weitere Kommunen zur Zertifizierung gewinnen, dann könnten deren Bürgermeister als Botschafter für den fairen Handel als Multiplikator fungieren. Um das Thema weiter zu vertiefen, fanden am Nachmittag zwei Workshops statt.

Eine Region macht sich auf den fairen Weg

Die Notwendigkeit, das Rad gänzlich neu zu erfinden besteht nicht. Dafür sorgte Jürgen Sokoll, Promotor für fairen Handel und nachhaltiges Wirtschaften im Eine-Welt-Netz Nordrhein Westfalen. Dort konnte die faire Region realisiert werden, die obligatorische Voraussetzung, eine bestimmte Zahl an Kommunen zu mobilisieren, glückte dort vortrefflich. Anhand einer bebilderten Präsentation zeigte Sokoll anschaulich den Weg dorthin auf und sparte nicht mit Anregungen. Einen guten Schub in Richtung Public Relation brachte die Gewinnung von Prominenten wie die des Sportreporters Manni Breukmann. Diese Beispiele könnten nach herrschender Auffassung auf die Rhein-Main-Region Anwendung finden. Nordrhein Westfalen würde somit auch für Rhein-Main als Benchmark stehen, obwohl hierzulande nicht flächendeckend identische Gegebenheiten vorzufinden seien. Hans Homberg, federführend aktiv in der Steuerungsgruppe und Koordinator beim Rheingau-Taunus-Fairtrade-Kreis, hält es für wichtig die Wirtschaft einzubinden, denn ohne deren Teilnahme seien die Ziele nicht zu erreichen. Daher sollte das Thema CSR (soziale Verantwortung als Unternehmenskultur)platziert werden, dabei könne die Metropolregion einen Beitrag leisten. Sabine Gresch lenkt abschließend die Aufmerksamkeit auf die aus ihrer Sicht richtige Reihenfolge: Beim Einkauf regionale Produkte priorisieren, Schwerpunkt Bio und wenn nicht aus Deutschland erhältlich auf das Fairtrade-Siegel achten. Um als faire Metropolregion anerkannt zu werden, müssen 67 Prozent der Bevölkerung notwendig in zertifizierten Kommunen und Kreisen leben. Derzeit registriert die Region 51 Prozent. Damit gelte es nun ein ambitioniertes Ziel zu erreichen, mit der Auftaktveranstaltung in Kelsterbach ist offenbar ein guter Anfang gemacht.
 (Text: Thorsten Schreiner –  Bilder: Berit Schurse)
Über die Workshops berichten wir in den nächsten Ausgaben

Quelle: Artikel veröffentlicht am 25.11.2016

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