Nachhaltigkeit – RHEIN.MAIN.FAIR | IHK WirtschaftsForum 07|08.18

Nach dem Ruhrgebiet und Nürnberg soll FrankfurtRheinMain zur dritten fairen Metropolregion hierzulande werden. Willkommener Nebeneffekt: Unter dem Motto „Bio.Regional.Fair“ kann nach und nach ein neues Wir-Gefühl entstehen.

Mitglieder der  Steuerungsgruppe Rhein.Main.Fair

Die Metropolregion FrankfurtRheinMain spielt als die wirtschaftsstärkste und internationalste in der Liga der europäischen Metropolregionen mit. Sie umfasst einen Raum, der sich über weite Teile Hessens und Teile von Rheinland-Pfalz und Bayern erstreckt. Diese Region – vom Vogelsberg und Gießen über Aschaffenburg und Miltenberg in den Odenwald und von Fulda bis Mainz-Bingen und Alzey-Worms – ist deutlich mehr als „nur“ Frankfurt. Es ist eine Region mit vielfältigen Verflechtungen. Sie ist sehr heterogen und rühmt sich gerne ihrer polyzentrischen Struktur.

Was verbindet diese Region in ihrem Inneren – ist es Bier, Wein oder gar Äppelwoi? Ist es der SpundekÄs, der Handkäs oder der Miltenberger Käsetaler? Ist es die Großstadt oder das Dorf? Diese Fragen haben sich Vertreter von Kreisen, Städten und Gemeinden, Kirchen, Landesministerien, Eine-Welt-Läden, Aktive in der Eine-Welt-Arbeit und auch von Engagement Global, der gemeinnützigen Gesellschaft für bürgerschaftliches und kommunales Engagement des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, gestellt.

Vor fast drei Jahren hat sich ein Lenkungskreis Rhein.Main.Fair zusammengetan. Die Akteure haben sich zum Ziel gesetzt, die Metro- polregion FrankfurtRheinMain nach dem Ruhrgebiet und Nürnberg zur dritten deutschen fairen Metropolregion zu machen. Da dies ganz im Sinne des Regionalverbands FrankfurtRheinMain ist, unterstützt er die Arbeit in der Vernetzung und auch personell.

Schon heute leben fast drei Millionen Bürger in Kreisen, Städten und Gemeinden, die sich im Zuge der FairTradeTown-Kampagne auf den Weg gemacht haben, gemeinsam mit den Aktiven vor Ort – unter anderem aus Kirchen, Vereinen, Schulen –, das Thema Nachhaltigkeit nicht nur als reines Umweltthema zu sehen, sondern auch unter den wichtigen sozialen und global gerechten Kriterien in den Fokus zu nehmen.

In den Vernetzungstreffen, die der Lenkungskreis in der Region initiiert hatte, ist immer wieder deutlich geworden: Das Verbindende dieser Region ist gerade ihre Unterschiedlichkeit, ihre Vielfalt und ihre Internationalität. Aus Letzterer erwächst ganz sicher ihre wirtschaftliche Stärke, aber zugleich auch eine besondere gesellschaftliche Verantwortung.

Dabei müssen sich alle Bürger und Verantwortlichen bewusst machen, dass sie längst schon Teil einer Globalisierung sind, von deren ungerechten Wettbewerbsbedingungen sie unzweifelhaft kurzfristig als Absatzmärkte und Produktionsstätten profitieren. Wir alle müssen erkennen, dass gesamtgesellschaftlich die Kosten für eine solche Wirtschaft zunehmen.

Zuwanderungsdruck durch Menschen auf der Flucht und Klimawandel mit Wetterextremen sind nur einige wenige Schlagworte. Die immer aggressiver werdende Konkurrenz im Welthandelssystem, die Unfähigkeit, handelspolitische Konflikte in der WTO beizulegen, bis hin zu dem Irrglauben einiger, die Rettung in einer neuen Form des Protektionismus „Ich zuerst“ zu finden, ohne nach den globalen Konsequenzen zu fragen, verschärft die weltpolitische Situation. Die Weltgemeinschaft müsste dabei eher zusammenrücken, um den globalen Herausforderungen zu begegnen und Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.

Diese Gegenbewegung gibt es – und sie wird stärker. Es sind Gruppen aus der Zivilgesellschaft, die sich für eine gerechtere Globalisierung einsetzen. Was einst belächelt wurde als Solidarität mit den Kaffeebauern in Lateinamerika, ist längst ein Markt geworden, der selbst in Discountern Einzug gefunden hat.

Die Vereinten Nationen und damit auch die sie vertretenden Staaten haben sich in der Agenda 2030 insgesamt 17 Ziele gegeben, um eine gemeinsame nachhaltige Entwicklung für unseren Planeten zu sichern. In diesem Zukunftsvertrag geht es um eine Entwicklung in ihren drei Dimensionen – Soziales, Umwelt und Wirtschaft. Staaten wie Zivilgesellschaft sind gefordert, an diesen Zielen zu arbeiten.

Im Gegensatz zu den Vorläufern der „Millenniums-Entwicklungsziele“ sind nicht nur Ziele für die Länder des globalen Südens formuliert, sondern der Arbeitsauftrag geht richtigerweise auch an die Industrienationen, die mit ihrer Art des Lebens und der Wirtschaft auf Kosten anderer leben und produzieren. Dabei kommen die Landkreise und Kommunen ins Spiel. Keine staatliche Ebene ist nämlich so dicht an den Menschen wie diese. In den Städten und Gemeinden sind die Auswirkungen – ob Flucht, Klimawandel, gesellschaftliche Veränderungen – am schnellsten zu erkennen.

Es muss einen Bewusstseinswandel geben, der entsprechende Ver- haltensänderungen nach sich zieht. Die Städte und Gemeinden haben Zugänge zu den Menschen, zu Institutionen und allen gesellschaftlichen Gruppen. Keine andere staatliche Ebene hat solche Möglichkeiten. Damit haben die Kommunen eine besondere Verantwortung in der Vermittlung dieser globalen Bildung.

Bund, Länder und Kommunen sind aber selbst Teil globaler Handels- ströme. Schätzungen gehen davon aus, dass die öffentliche Hand jedes Jahr für 350 Milliarden Euro einkauft. Dies reicht vom Kaffee für Sitzungen über Dienstkleidung bis hin zum Pflasterstein für den Marktplatz. Es gibt kaum ein Produkt, das nicht Teil einer globalen Wertschöpfungskette ist.

Damit hat die öffentliche Hand durch die Abfrage von Sozial- und Umweltstandards bei Ausschreibungen auch Einfluss auf die Produktion. Es ist nicht immer einfach, das immer komplizierter werdende Vergaberecht, das meist recht schnell zu europaweiten Ausschreibungen führt, und diese Anforderungen zusammenzubringen. Die Berücksichtigung von Sozial- und Umweltstandards ist aber sehr wohl möglich.

Dabei geht es nicht um die alleinige Bevorzugung von allein fairen Produkten. Es geht immer um den Dialog mit der örtlichen Wirtschaft. Gerade in den Bereichen der Landwirtschaft, der Produktion und des Einzelhandels hat sich die Wettbewerbssituation gegenüber Internet- Angeboten und der Geiz-ist-geil-Mentalität negativ ausgewirkt. Ver- ödung von Innenstädten, Ladensterben und Produktionsverlagerungen in sogenannte Billiglohnländer sind die Folge.

Rhein.Main.Fair hat sich das Motto Bio.Regional.Fair gegeben. Die Initiative ist auch die Chance für einen bewussten Konsum und das mögliche Wiederentdecken lokaler Produkte. Der faire Handel hat riesige Wachstumssprünge. Von 2012 bis 2016 gab es mit 1,3 Milliarden Euro eine Verdoppelung der Umsätze. Ähnliche Erfahrungen machen örtliche Produzenten, die regionale Produkte vermarkten.

Die Äpfel aus dem Odenwald oder Vogelsberg haben eine sehr hohe Qualität. Die Weine aus den hiesigen Anbauregionen sind so gut, dass wir keine Importe aus Übersee mehr brauchen. Wenn es Fleisch sein muss, dann qualitätvolles aus dem Umland und nicht mit langen Transportwegen aus allen Teilen der Welt. Wenn es uns gelingt, ein ganz neues lokales Bewusstsein zu entwickeln, verschwindet das Trennende zwischen Stadt und Land, weil die Stadt plötzlich erlebt, dass sie das Umland braucht.

Über Stadt-, Kreis- und Landesgrenzen hinweg, über kulturelle Ver- schiedenheiten und Traditionen erwachsen aus dem Ziel einer gerechten Globalisierung ganz neue Verbindungen – nicht nur zwischen der öffentlichen Hand, sondern auch im Zusammenspiel mit zivilgesellschaftlichen Gruppen.

Wie sagte Martin Luther King einmal:

„Noch bevor du diesen Morgen dein Frühstück beendet hast, bist du auf die halbe Welt angewiesen.“

Dieses Bewusstsein einer gegenseitigen Abhängigkeit will die Initiative schaffen – für eine nachhaltige Entwicklung der Region FrankfurtRheinMain. Und vielleicht gelingt es damit auch, ein Wir-Gefühl zu schaffen. ❙

Quelle: IHK WirtschaftsForum 07|08.18

LINK ZUM THEMA: Weitere Infos zum Thema Rhein.Main.Fair – auf dem Weg zur fairen Metropolregion online unter https://rheinmainfair.de.

FOTO: KATHI KRECHTING
 AUTORIN
BM Hofheim, Gisela Stang
 GISELA STANG
Bürgermeisterin, Hofheim | gstang@hofheim.de

Nachhaltigkeit startet bei den Minis

Faire KITA @ Rhein.Main.Fair

Vertreter von 16 verschiedenen Kitas besuchten die Auftaktveranstaltung am Samstag. In Workshops werden viele Ideen zur Umsetzuzng des Projekts vermittelt. Foto: Oliver Becht

FAIRE KITA Initiative Rhein.Main.Fair mit neuem Projekt

HOFHEIM – Seit rund drei Jahren versucht die Initiative Rhein.Main.Fair mittlerweile, die Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main in eine von TransFair ausgezeichnete „faire Region“ umzuwandeln. Seit Sonntag läuft ein weiteres Projekt, das bei der Umsetzung dieses Ziels eine wichtige Rolle spielen dürfte: Bei einer Informationsveranstaltung im katholischen Bezirksbüro wurde das aus Nordrhein-Westfalen stammende Projekt „FaireKITA“ eingeläutet. Ab sofort läuft im kompletten Rhein-Main-Gebiet die Testphase.

Nachhaltige Haltung

Jasmin Geisler war bei den Anfängen des Projekts entscheidend beteiligt und ist heute Bundeskoordinatorin. „Ziel des Ganzen ist es, das Konzept nachhaltigen Lebens in der Gesellschaft zu verankern“, erklärt sie. Im Fokus stehen dabei die ganz Kleinen: In teilnehmenden Kindertagesstätten soll nicht nur der Alltag nachhaltiger gestaltet, sondern auch Wissen über globale Prozesse und Zusammenhänge vermittelt werden. „Es geht darum, eine Haltung zu implementieren“, sagt Geisler.

Die Bundeskoordinatorin war dabei, als das Konzept 2013 vom Netzwerk „Faire Metropole Ruhr“ ins Leben gerufen worden war. Das Rhein-Main-Gebiet ist nach Baden-Württemberg und dem Saarland nun die vierte Region, die an dem Projekt teilnimmt.

 Verschiedene Punkte müssen erfüllt werden, um die für drei Jahre gültige Zertifizierung zu erhalten. Nach Einreichung eines unterschriebenen Beschlusses, die Vorgaben umsetzen zu wollen, wird ein sogenanntes „Faires Team“ gebildet. Diese Projektleitung, bestehend aus Erziehern und Eltern, behält die Umsetzung der geforderten Maßnahmen im Auge. Diese gliedern sich wiederum in drei Punkte: Die Kita muss langfristig mindestens zwei fair gehandelte Produkte verwenden, die Vorschulkinder durch Bildungsangebote für das Themenfeld des fairen Handels sensibilisieren und mindestens zwei der umgesetzten Aktivitäten medial vermarkten. Sind alle Punkte erfüllt, kann beim Träger des lokalen Projekts (im Rhein-Main-Gebiet also Rhein.Main. Fair) eine Bewerbung eingereicht werden. Nach der entsprechenden Prüfung wird schließlich das Zertifikat ausgestellt.

Alle sind ausgezeichnet

„Und bisher konnten wir jede Kita, die sich beworben hat, auch auszeichnen“; sagt Jasmin Geisler. Das waren bislang 143, weitere 150 befinden sich im Prozess.

Die Kitas erhalten bei all dem viel Unterstützung. Gerade bei der Umsetzung der Bildungsangebote, laut Geislers Assistentin Judith Altenbockum das „Herz des Projekts“, können verschiedenste Angebote in Anspruch genommen werden. Erzieher können Fortbildungen besuchen, sich bei einem jährlichen Treffen mit anderen Teilnehmern austauschen oder einen sechsmal im Jahr erscheinenden Infobrief abonnieren. Zudem besteht die Möglichkeit, sogenannte „Multiplikatoren“ einzusetzen – ausgebildete Fachkräfte, meist Studenten, die Bildungseinheiten und Elternabende unterstützen können. Ab November sollen solche Helfer auch im Rhein-Main-Gebiet ausgebildet werden. Auch von außerhalb der durch Träger abgedeckten Regionen gehen mittlerweile Anfragen ein: Durch interessierte Kitas in Korea, Japan, Namibia und Jamaika bekommt die „FaireKITA“ eine internationale Dimension. „Es wird wahrgenommen, welch tolle Bewegung hier entsteht“, sagt Geisler. Und der Main-Taunus ist ab sofort Teil davon.

Rhein.Main.Fair hat ein hehres Ziel: Sind 90 Prozent aller Kitas zertifiziert worden, kann auch der Träger für seine Arbeit ausgezeichnet werden. Bis dahin ist es noch ein langer Weg.

Artikel von Oliver Becht

Quelle: http://www.hofheimer-zeitung.de/nachrichten/hofheim/nachhaltigkeit-startet-bei-den-minis_18837299.htm#

 

FaireKITA@Rhein.Main.Fair – Pressemitteilung vom 9. Juni 2018

FaireKITA – Projekt für die Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main am 09.06.2018 gestartet HOFHEIM a. T., 09. Juni 2018

Am 09.06.2018 feierte die Initiative Rhein.Main.Fair in Kooperation mit dem Katholischen Bezirk Main-Taunus und der FaireKITA Bundeskoordinatorin den Start der Projekts FaireKITA in der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main. Rund 36 Interessierte aus dem Kita-Umfeld informierten sich in Hofheim über die Inhalte und Möglichkeiten des Projekts. FaireKITA lädt dazu ein, den Fairen Handel für Kinder und Eltern in Kindertagesstätten erlebbar zu machen und in das Alltagsgeschehen einzubinden.

Faire KITA @ Rhein.Main.Fair

Jasmin Geisler, Bundeskoordinatorin des Projektes aus Dortmund, stellte zunächst die Inhalte des Projekts vor und erklärte, wie eine Kita die Auszeichnung zur FairenKITA erreichen kann. Um eine FaireKITA zu werden, müssen die Einrichtungen einen entsprechenden Beschluss fassen, ein Projektteam aus Elternschaft und Kita-Mitarbeiter/innen gründen, Bildungsarbeit zu Fairem Handel machen, fair gehandelte Produkte verwenden und Öffentlichkeitsarbeit zu dem Thema betreiben. Im Anschluss wurden in Workshops vertiefte Inhalte vermittelt, die Teilnehmenden konnten Fragen stellen und erste Pläne schmieden.

Das Projekt FaireKITA geht auf eine Initiative des Netzwerks Faire Metropole Ruhr in Nordrhein-Westfalen zurück und findet mittlerweile bundesweit Verbreitung. Die Initiative Rhein.Main.Fair hat nun in Kooperation mit der Bundeskoordination aus Dortmund und mit Unterstützung von Engagement Global mit ihrer Servicestelle Kommunen in der Einen Welt dafür gesorgt, dass nun auch Kitas in der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main auf dem Weg zur FairenKITA unterstützt werden. Vor Ort werden Erstgespräche, Elternabende, Bildungsmaterialien und auch Bildungseinheiten zu Globalem Lernen sowie Beratungsgespräche zum Auszeichnungsprozess angeboten. Bei Interesse können Kitas und ihre Trägerverbände Kontakt zur Projektkoordinatorin für die Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main, Iris Degen, unter fairekita@rheinmainfair.de aufnehmen.

Hintergrund:
Rhein.Main.Fair setzt sich bereits seit 2015 für mehr Fairen Handel und Nachhaltigkeit in der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main ein. Das erklärte Ziel ist es, die Metropolregion durch TransFair e.V. als faire Region auszeichnen zu lassen. Als Positiv-Beispiele dafür stehen die bereits ausgezeichneten Regionen Ruhr und Nürnberg. Die von Rhein.Main.Fair angestrebte Auszeichnung ist der erste wichtige Schritt auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit und Fairem Handel in der Metropolregion, an dessen Ende das Erreichen der von den Vereinten Nationen aufgezeigten Sustainable Development Goals (kurz SDGs), also der globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung, steht.

Weitere Informationen:

https://rheinmainfair.de/;

https://www.faire-kita-nrw.de/

Kontakt: fairekita@rheinmainfair.de

Fotos: Peter Kammann. Weitere Fotos unter fairekita@rheinmainfair.de

Pressekontakt: Iris Degen, Koordinatorin für die Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main, Tel.: 0173-8423600 oder fairekita@rheinmainfair.de


 

Fußball, Rosen und Finanzprodukte

Rhein-Main will dritte Fairtrade-Metropolregion werden / 51 Städte und drei Kreise tragen das Siegel schon

mch. RHEIN-MAIN. Es geht längst um mehr als nur um Kaffee. Dass es den fair gehandelt gibt oder, andersherum betrachtet, der herkömmliche Handelsweg die Produzenten der Kaffeebohnen fast leer ausgehen lässt, ist seit Jahrzehnten bekannt. Das hat CSU-Entwicklungsminister Gerd Müller erst am Ostersonntag bekräftigt, als er forderte, die Steuer für fair gehandelten Kaffee auszusetzen. Damit nur noch der, den man ohne Kinderarbeit und Raubbau an der Natur produziere, gekauft werde. Derzeit macht, so Müller, der fair gehandelte Kaffee nur 15 Prozent des Verbrauchs in Deutschland aus.

Aber anders als in den siebziger Jahren, als auf Initiativen der Kirchen die damals ersten Dritte-Welt-Läden mit dem alternativ vertriebenen Kaffee im Angebot entstanden, gibt es mittlerweile mehr Produkte, die mit verschiedenen Siegeln als fair gehandelt zertifiziert werden und in Supermärkten und bei traditionellen Handelsketten zu kaufen sind: von Rosen über Schoko-Ostereier bis zum Fußball, der sonst nicht selten von Kinderhand zusammengenäht wird.

Dass es sinnvoll ist und dem Image nicht schadet, Initiativen dieser Art zu unterstützen, davon sind viele Städte und Kreise überzeugt. Sie bewerben sich seit Jahren darum, als Fairtrade-Städte anerkannt zu werden. Wie etwa die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt, die unter der Überschrift „Öko und fair – Shoppen in Mainz“ eine Broschüre aufgelegt hat, die Händler auflistet, die Produkte dieser Art anbieten. Aschaffenburg hat einen solchen Einkaufs-Ratgeber Ende 2014 aufgelegt. Darin wird der Eine-Welt-Laden aufgeführt, der einen fair gehandelten Fußball vertreibt. Zum Stolz von Bürgermeister Jürgen Herzing (SPD) hat er sogar die Lizenz, um bei Bundesliga-Spielen eingesetzt werden zu können.

531 Fairtrade-Städte soll es mittlerweile in Deutschland geben. Im Gebiet der länderübergreifenden Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main tragen 51 Städte, darunter die großen kreisfreien wie Frankfurt, Offenbach, Darmstadt, Wiesbaden, Aschaffenburg und Mainz, sowie drei Kreise das Siegel. Weitere Kommunen bemühen sich um die Anerkennung. Es heißt, die Kreise Main-Taunus und Offenbach überlegten mitzumachen.

Die große Zahl der engagierten Kommunen hat im Sommer 2015 dazu geführt, dass sich die Aktivisten erstmals regionalweit trafen. Seitdem ist das Ziel der Initiative „Rhein.Main.Fair“, die Region zur bundesweit dritten fairen Metropolregion zu machen. Das Ruhrgebiet trägt die Auszeichnung schon seit 2013, Nürnberg seit Februar 2017.

Um das Ziel zu erreichen, müssten zwei Drittel der Rhein-Main-Bewohner in einer Fairtrade-Kommune leben. Derzeit sind es erst rund 60 Prozent. Die SPD-Politikerin Gisela Stang, Hofheimer Bürgermeisterin und Sprecherin der Rhein-Main-Initiative, ist zuversichtlich, bald die 67 Prozent zu erreichen. Sie findet, dass es der Region gut zu Gesicht stünde, als „internationalste und am besten vernetzte Region in Deutschland“ bei diesem Thema vorn zu liegen. Angesichts der vielen Initiativen in den Städten und Kreisen sei der Austausch, das Voneinander-Lernen sinnvoll. Zumal sich die Rhein-Main-Region damit „einmal für etwas einsetzt und nicht immer nur gegen etwas“, sagt Stang (siehe Interview).

Bei einem der ersten Treffen der Rhein-Main-Initiative stand im Vordergrund, dass die Kommunen auch selbst Auftraggeber und Käufer von Waren sind. Das fange beim Kaffee für die Sitzungen im Rathaus an und höre noch lange nicht beim obligatorischen Blumenstrauß für den Jubilar auf, sagt Stang. Über welche Summen in den einzelnen Städten oder gar in der Region beim Thema Beschaffung die Rede ist, hat die Initiative „Rhein.Main.Fair“ noch nicht ermittelt.

Die Stadt Frankfurt, schon seit 2011 Fairtrade-Stadt, kann nicht benennen, wie hoch das Volumen der Aufträge ist, das sie jährlich vergibt und wo es sinnvoll sein könnte, auf fair, aber auch auf regional hergestellte Produkte umzusatteln. Grünen-Stadtrat Stefan Majer, dem seit Herbst vergangenen Jahres die neue „Koordinierungsstelle Fairtrade“ untersteht, hat gerade begonnen, zusammen mit Vertretern der Kämmerei Gespräche mit den einzelnen Ämtern zu führen. Als ersten Schritt hat Frankfurt auf Drängen Majers beschlossen, die Anlagestrategie für die zusätzliche Altersvorsorge der städtischen Mitarbeiter zu ändern und nachhaltig zu investieren. Es handelt sich Majer zufolge um einen Betrag von 70 Millionen Euro jährlich. Die Stadt erwerbe nur noch Finanzprodukte, deren Gelder nicht in Kinderarbeit und nicht in klimaschädliche Produktionen flössen. „Und die gibt es“, sagt Majer, „nicht nur als Nischenprodukte.“ Er ist überzeugt, dass sich die Region zum richtigen Zeitpunkt auf den Weg macht. Beim fairen Handeln „tut sich weltweit unglaublich viel“, so Majer, „da können dann bald andere Städte und Regionen von uns lernen.“


Im Gespräch: Gisela Stang (SPD), Bürgermeisterin von Hofheim und Sprecherin der Initiative „Rhein.Main.Fair“

„Bio, regional und fair – das sollten die Kriterien sein“

Das Rhein-Main-Gebiet will zur bundesweit dritten „fairen Metropolregion“ werden. Hofheims Bürgermeisterin Gisela Stang erklärt, warum Bürger und Kommunen ihre Einkaufsmacht nicht unterschätzen sollten.

Das Rhein-Main-Gebiet soll zur fairen Metropolregion werden. Warum?

Weil es die internationalste, am besten vernetzte und zentralste Region in der Bundesrepublik ist und wir bereits viele tolle Initiativen zum Thema faires, nachhaltiges Handeln von Städten und Kreisen haben. Wenn wir uns dieser Initiativen bewusst werden, sie miteinander verbinden, dann bringt das einen richtig guten Schub für die Region, die bisher von außen nur als bedeutender Finanzplatz, als Standort für den größten deutschen Flughafen wahrgenommen wird. Vor allem ist es eine wichtige gemeinsame Initiative der Region, die sich nicht gegen etwas richtet, sondern sich für etwas einsetzt.

Wenn man Fairtrade hört, denkt jeder an Kaffee, an Eine-Welt-Läden, also eine Nische für Gutmenschen.

Nun, wenn man in einen Eine-Welt-Laden geht, sieht man, dass es dort mittlerweile viel mehr gibt als den fair gehandelten Kaffee. Niemand behauptet, allein durch das Trinken von fairem Kaffee die Welt verändern zu können. Wir wollen einen Denkanstoß geben, wo man einkaufen, wie man konsumieren und wie man die eigene Einkaufsmacht in dieser globalisierten Welt nutzen kann.

Die Initiative zu „Rhein.Main.Fair“ ist also vor allem ein fröhlicher Aufruf an alle Konsumenten?

Wenn wir viele mit der Initiative erreichen, wäre dies ein riesiger Erfolg. Dazu kommen alle möglichen Beschaffungen der Städte und Kreise, vom Kaffee über Ökostrom bis zu Pflastersteinen. Die Kommunen sind eine Einkaufsmacht. Wenn eine Stadt sagt „Wir wollen keine Produkte mehr aus ausbeuterischer Kinderarbeit“, dann müssen die Stadtverordneten darüber diskutieren, wie die Arbeitsbedingungen in Indien sind und wo stattdessen der Pflasterstein herkommen soll. Vielleicht entscheiden sie sich dann für ein anderes Material, von dem sie wissen, dass sie damit sicher keine Kinderarbeit unterstützen. Wenn man beginnt, sich über Herkunft und Herstellungsbedingungen zu informieren, merkt man schnell, wie sehr wir Teil der globalisierten Welt sind. Der Markt bestimmt – und wenn viele sich anschließen, können Sozialstandards umgesetzt werden.

Widerspricht die Initiative, fair gehandelte Produkte zu bevorzugen, nicht dem Gedanken, vor allem für die Produkte aus der Region werben zu wollen?

Überhaupt nicht. Wir sagen immer, die Produkte sollen biologisch, nachhaltig angebaut sein, aus der Region stammen und fair gehandelt werden, also bio, regional und fair sein. Es macht keinen Sinn, wenn wir das eine gegen das andere ausspielen.
Es geht um den bewussten Konsum. Und noch eins: Mit Blick auf die Metropolregion Rhein-Main ist auch wichtig, daran zu denken, dass wir in dieser polyzentrischen Region zwar viele Großstädte haben, aber auch viel ländlichen Raum. Wir haben beides und brauchen beides. Wir brauchen ein neues Bewusstsein für die heimischen Produkte in der Region. Im ländlichen Raum gibt es vieles, das es wert ist, dass wir es wahrnehmen und kaufen.

Der Regionalverband Frankfurt/Rhein- Main hat kürzlich beschlossen, Ihre Initiative zu unterstützen. Was bringt das?

BM Hofheim, Gisela Stang

Diese Entscheidung ist eine Wertschätzung für die Initiative, ein Netzwerk der Fairtrade-Städte und -Kreise aufzubauen. Vor gut zwei Jahren haben wir diesen Prozess gestartet. Es gibt in der gesamten Metropolregion, also auch mit den Kommunen in den angrenzenden Bundesländern, insgesamt 65 Fair-Trade-Kommunen, die es schon sind oder im Anerkennungsprozess stecken, darunter die Großstädte Frankfurt, Darmstadt, Offenbach, Mainz und Wiesbaden sowie drei Kreise, nämlich Groß-Gerau, Rheingau-Taunus und Miltenberg. Wir sind optimistisch, im Laufe des Jahres 2018 die bundesweit dritte faire Metropolregion nach dem Ruhrgebiet und Nürnberg zu werden.

Wann kann Rhein-Main offiziell eine faire Metropolregion sein?

Die Vorgabe lautet, dass zwei Drittel der Einwohner der Metropolregion in einer anerkannten Fairtrade-Kommune – also Stadt oder Kreis – leben müssen. Derzeit leben in Rhein-Main 60 Prozent in einer solchen Kommune. Es fehlt also nur noch ein kleiner Sprung zu den erforderlichen 67 Prozent.

Und dann?

Schon in den nächsten Monaten wollen wir, die Städte und Kreise aus drei Bundesländern, also Hessen, Rheinland- Pfalz und Bayern, einen Verein gründen.

Warum einen Verein?

Wir wollen nicht in das Konzert der GmbHs und Co KGs aufgenommen werden, die ja die Region so gerne gründet, wo häufig schon der Mitgliedsbeitrag Hürden schafft. Wir wollen, dass sich alle einbringen können, ob Kirche, Privatperson, Gewerkschaft oder Kommune. Das ist das Neue an dieser Initiative, dass wir alles miteinander verbinden und so viele wie möglich mitnehmen wollen.

Kritiker monieren, durch die Initiativen werde das Fairtrade-Siegel in den Mittelpunkt gerückt, das aber gar nicht immer für faire Handelsbeziehungen stehe.

Transfair ist nur ein Siegel unter anderen, und es gibt da auch Schwierigkeiten und Diskussionen, wie fair Transfair ist. Das ist so. Ich lasse nur das Argument nicht gelten, weil manches nicht fair genug gehandelt wird, machen wir lieber gar nichts. Das Argument ist für mich nicht stichhaltig. Nichts zu machen, das geht gar nicht.

Die Fragen stellte Mechthild Harting.


Quelle: FAZ-online - FAZ-RMZ-03.04.2018

HESSISCHER STÄDTETAG – PRESSEINFORMATION 02/2018

Logo Hess.Staedtetag 

 

 

Presseinformation

Nr.: 02/2018

Datum: 09.02.2018

Auf dem Weg zur fairen Metropolregion

Noch ist die Metropolregion Rhein-Main keine „faire Metropolregion“, obwohl schon für 60 Prozent der Bevölkerung die jeweiligen Gebietskörperschaften als „faire Kommunen“ zertifiziert sind. Es fehlt nur noch ein kleiner Sprung zu 67 Prozent, wie die Hofheimer Bürgermeisterin Gisela Stang, im Ehrenamt Sprecherin der Metropolinitiative Rhein-Main, erläuterte.

Um das Ziel „faire Metropolregion“ zu erreichen, trafen sich am 5.2.2018 die Sprecher des kommunalen Netzwerkes rhein.main.fair mit den Direktoren der kommunalen Spitzenverbände. Nie zuvor begegneten sich die sechs Direktoren von Städtetag, Städte- und Gemeindebund sowie Landkreistag aus Rheinland-Pfalz und Hessen zu einer gemeinsamen Arbeitssitzung.

Im Gespräch wurde deutlich, dass die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen nur erreicht werden können, wenn möglichst viele Kommunen diese unterstützen. Ein Beitrag dazu ist das Engagement für fairen Handel, beispielsweise durch faire Beschaffung in der Kommunalverwaltung. Aus diesem Grund beschlossen die versammelten Vertreter der kommunalen Spitzenverbände in Hessen und Rheinland-Pfalz, die Initiative rhein.main.fair zu unterstützen und bei Städten, Landkreisen und Gemeinden für diese zu werben.

Die Initiative ist zugleich eine Werbung dafür, die Metropolregion Rhein-Main endlich mit Leben zu füllen. Denn anders als viele andere europäische Metropolregionen führt die Region Rhein-Main ein Schattendasein. Sie umfasst das Gebiet des Landkreises Alzey- Worms (Rheinland-Pfalz im Südwesten, Miltenberg (Bayern) im Südosten und Fulda im Nordwesten. Im Kern der Metropolregion liegen die „fairen Städte“ Frankfurt am Main, Offenbach am Main, Darmstadt, Ingelheim, Mainz und Worms. Ein Zertifikat als „fair“ wäre ein durchaus guter Start die Millionenmetropole Rhein-Main aus ihrem bisherigen Schattendasein herauszuführen.

Zum Hintergrund:
Am 1. Januar 2017 trat die von 193 Staaten unterzeichnete UN-Agenda 2030 mit dem Titel „Transformation unserer Welt – Die 2030 Agenda für nachhaltige Entwicklung“ in Kraft. Mit der Agenda 2030 soll die längst überfällige Transformation der Volkswirtschaft in Richtung einer neuen Kultur der Nachhaltigkeit geschaffen werden. Zentrales Ziel der Agenda 2030 ist, die globale Entwicklung sozial, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltig zu gestalten und so auch kommenden Generationen die Chance auf ein erfülltes Leben zu sichern. Sie ist getragen von dem Geist einer globalen Partnerschaft und dem Gedanken der gemeinsamen Verantwortung. Das Kernstück der Agenda 2030 bilden 17 – untereinander eng verknüpfte – globale nachhaltige Entwicklungsziele. Diese betreffen unter anderem die Themen: keine Armut, nachhaltige Städte und Gemeinden sowie Maßnahmen zum Klimaschutz. Die 17 globalen Nachhaltigkeitsziele werden durch die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie und die Nachhaltigkeitsstrategien der einzelnen Bundesländer weiter ausgeformt.

Das Netzwerk rhein.main.fair ist ein Zusammenschluss von bislang 43 Städten und Gemeinden, 3 Landkreisen und 5 kreisfreien Städten, die den Gedanken des fairen Handels stärken wollen. Das erste Ziel ist die Auszeichnung der Rhein-Main-Region als faire Metropolregion.
Die kommunalen Spitzenverbände vertreten die Interessen ihrer Mitglieder gegenüber dem Bund und dem jeweiligen Bundesland. In ihnen sind alle Städte, Landkreise und Gemeinden aus Rheinland-Pfalz und Hessen organisiert. Die kommunalen Spitzenverbände sind: Der Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz, der Städtetag Rheinland-Pfalz, der Landkreistag Rheinland-Pfalz, der Hessische Städte- und Gemeindebund, der Hessische Landkreistag sowie der Hessische Städtetag.

 

Quelle: http://www.hess-staedtetag.de/aktuelles/pressemeldungen/

Wiesbaden – Fair Trade geht weiter

Von Kerstin Klamroth

Die Stadt erfüllt auch in diesem Jahr alle Kriterien der Kampagne des fairen Handels.

Wiesbaden erfüllt auch in diesem Jahr alle Kriterien der „Fairtrade-Towns-Kampagne“ und bleibt somit „Fairtrade-Stadt“. Mit Produkten wie Reis, Kaffee, Tee, Schokolade, Rosen oder Textilien aus „Fairtrade-Baumwolle“ unterstützt die Landeshauptstadt gemeinsam mit rund 500 Städten in Deutschland den fairen Handel.

„Im Jahr 2012 ist Wiesbaden erstmals ‚Fairtrade-Stadt‘ geworden. Seither konnten wir diese Auszeichnung beibehalten“, sagt Wirtschaftsdezernent Detlev Bendel (CDU) „Nicht nur öffentliche Einrichtungen sondern auch Wiesbadener Unternehmen, Einzelhändler, Vereine und Gastronomen engagieren sich gemeinsam mit uns für die nachhaltige Verankerung des fairen Handels in unserer Stadt.

Die Landeshauptstadt erfüllt nachweislich alle fünf Kriterien des gemeinnützigen Vereins TransFair. Bei öffentlichen Sitzungen wird beispielsweise fair gehandelter Kaffee ausgeschenkt. Zudem koordiniert eine lokale Steuerungsgruppe die Aktivitäten. In Einzelhandelsgeschäften und in der Gastronomie werden Produkte aus fairem Handel angeboten. Wiesbaden ist eine von mehr als 2 000 „Fairtrade-Towns“ in insgesamt 30 Ländern, darunter Deutschland, Großbritannien, Schweden, Brasilien und der Libanon. Die Stadt unterstützt mit ihrem Engagement auch, dass das Rhein-Main-Gebiet zur „Fairtrade-Region“ wird. Derzeit leben rund 60 Prozent der Menschen in der Region in einer Stadt mit dem Siegel. Es fehlen noch mindestens sieben Prozent, damit sich die gesamte Metropolregion als „fair“ bezeichnen darf. kek

Quelle: http://www.fr.de/rhein-main/alle-gemeinden/wiesbaden/wiesbaden-fair-trade-geht-weiter-a-1407389

Die Rhein-Main-Region will fair werden

Das Rhein-Main-Gebiet soll eine „faire Metropolregion“ werden. Der Regionalverband will bei den Kommunen für die Idee des fairen Handelns werben.

Das Rhein-Main-Gebiet soll zu einer „fairen Metropolregion“ werden, wie es Nürnberg oder die Rhein-Neckar-Region bereits sind. „Wir können unsere Einkaufsmacht nutzen, den fairen Handel zu unterstützen, etwa wenn es um Kaffee, Orangensaft oder auch das Baumaterial bei öffentlichen Aufträgen geht“, sagt Klaus Schejna (SPD).

Der Bürgermeister der Gemeinde Rodenbach (Main-Kinzig-Kreis) warb vor den Mitgliedern des Regionalverbands Frankfurt-Rhein-Main dafür, sich für den fairen Handel stark zu machen. „Es sollte uns schließlich nicht egal sein, ob die Pflastersteine aus Indien und China von Kindern aus den Felsen herausgeschlagen werden oder nicht.“ Es gehe darum, Verantwortung zu übernehmen und das Signal zu senden, dass sich die Region auch um die „großen Themen“ wie die globale Gerechtigkeit kümmere.

Die Region könnte sich beim Verein Trans Fair um die Zertifizierung bewerben, wenn mindestens 67 Prozent der Menschen, die in einer der 75 Mitgliedskommunen des Regionalverbands leben, in einer Stadt mit dem FairTrade-Siegel zu Hause sind. Zurzeit sind es rund 60 Prozent. So haben beispielsweise Frankfurt, Offenbach, der Hochtaunuskreis und Neu-Isenburg die Fair Trade-Anerkennung erhalten, Hanau und Kelkheim am Taunus bewerben sich gerade darum.

Der Regionalverband will nun weitere Städte, Gemeinden und Landkreise dabei unterstützen, sich zu fairen Kommunen zu entwickeln.
Bürger finden Nachhaltigkeit wichtig

Das Engagement könnte zumindest bei den Bürgerinnen und Bürgern auf fruchtbaren Boden fallen. Das zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Befragung von Kantar Emnid im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Jeder zweite Deutsche (57 Prozent) hat demnach nicht das Gefühl, dass sich die Politik der eigenen Stadt oder Gemeinde besonders für eine nachhaltige Entwicklung engagiert.

Dabei stufen 81 Prozent der Bürger Nachhaltigkeit als wichtig ein. 67 Prozent signalisieren eine große Bereitschaft, sich für mehr Nachhaltigkeit einzusetzen.

Nachhaltigkeit bedeutet dabei für vier von fünf Bürgern, dass bei politischen Entscheidungen alle Auswirkungen auf die Wirtschaft, die Umwelt und die Gesellschaft sowie die Interessen der künftigen Generationen berücksichtigt werden.

Aus der repräsentativen Befragung können laut Bertelsmann Stiftung vier Handlungsempfehlungen für die Verantwortlichen in Städten und Gemeinden abgeleitet werden. Aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger sollten sie die nachhaltige Entwicklung intensiver vorantreiben und Klimaschutz, Armutsbekämpfung und bezahlbarer Wohnraum stärker berücksichtigen.

Zudem sollte die Bereitschaft der Bürger, sich zu engagieren, stärker genutzt und digitale Technologien für eine verbesserte Bürgerbeteiligung eingesetzt werden.

Peter Hanack -  http://www.fr.de/rhein-main/fair-handeln-in-hessen-die-rhein-main-region-will-fair-werden-a-1403790

Maintal – Stadt will fairen Handel fördern

Mitstreiter für Steuerungsgruppe gesucht. Erster Treffen soll im Januar stattfinden

Von Jochen Dietz

Maintal möchte sich als Fairtrade-Stadt bewerben und sucht noch engagierte Helferinnen und Helfer zur Mitarbeit. Wer sozial engagiert ist, sich für faire Arbeitsbedingungen und fair gehandelte Produkte einsetzen möchte, ist in eine Steuerungsgruppe eingeladen. Die ist Voraussetzung für die Bewerbung und soll Projekte und öffentlichkeitswirksame Aktionen rund um das Thema fairer und ökologischer Handel entwickeln und organisieren. Wer mitmachen möchte, wird gebeten, sich bis 15. Dezember per E-Mail an info@maintal.de oder telefonisch unter 0 61 81 / 40 04 17 zu melden. Das erste Treffen soll dann im Januar stattfinden.

Quelle: http://www.fr.de/rhein-main/alle-gemeinden/main-kinzig-kreis/maintal-stadt-will-fairen-handel-foerdern-a-1399462

 

Rhein.Main.Fair-Initiative

Antrittsbesuch bei Landrat Frank Kilian

(v.l.n.r.):
Fairtrade-Koordinator Hans Homberg, Sprecherin Gisela Stang, Landrat Frank Kilian, Fairtrade-Dezernentin Monika Merkert, Harald Rubel, Büro der Kreisorgane.

Bereits nach vierwöchiger Amtszeit empfing Landrat Kilian die beiden Sprecher der Rhein.Main.Fair-Initiative, Gisela Stang und Hans Homberg, zu einem Gespräch.

Der Rheingau-Taunus-Kreis war der erste „Fair“- Landkreis in Hessen. Doch darauf wolle man sich nicht ausruhen, sondern intensiv daran arbeiten, dass der Rheingau-Taunus-Kreis auch in Zukunft Vorreiter in Hessen bleibt. So haben bereits drei Schulen das Fairtrade-Siegel, weitere sollen folgen.

„Der Faire Handel ist die Rückkehr zum bewussten Konsum, woher kommt mein Essen, unter welchen Bedingungen ist meine Kleidung hergestellt – und damit ist diese weltweite Initiative eine Chance für den örtlichen Handel und auch für die direktvermarktenden Landwirte. Dies wollen wir in Zukunft noch weiter ausbauen,” so Gisela Stang, Bürgermeisterin von Hofheim und Sprecherin der Rhein.Main.Fair-Initiative.

Landrat Kilian begrüßt die Entscheidung, die Metropolregion Frankfurt/RheinMain zu einer fairen Metropole zu machen. Die zahlreichen Initiativen vor Ort könnten dadurch mehr Unterstützung erfahren, gemeinsame Kampagnen entlasten die Ehrenamtlichen und erreichen mehr Menschen.

„Schon heute leben über 2 Millionen Menschen in der Region, die sich über Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern erstreckt, in sogenannten FairTradeTowns. Eine starke Stimme für eine gerechte Globalisierung,” so Hans Homberg.